Aktionstag Mauerfall
Aktionstag zum 20. Jahrestag des Mauerfalls
Schüler/-innen und Lehrer/-innen des THG staunten nicht schlecht, als sie am Montagmorgen das Schulhaus betraten, denn sie wurden musikalisch begrüßt und auf einen besonderen Gedenktag eingestimmt: diejenigen, die von Osten kamen, mit der altbekannten, aber lange nicht gehörten DDR-Hymne, die temperamentvoll von der Bläser-AG intoniert wurde, diejenigen, die von Westen kamen, mit der eher getragenen Hymne der BRD und des wiedervereinten Deutschland, die drei Streicher des Orchesters live zu Gehör brachten.
Der weitere Weg von sichtlich überraschten Schülern und Lehrern endete abrupt an einer mit Stacheldraht, Landesflaggen und Plakaten dekorierten Mauer, die heimlich im Foyer errichtet worden war und das Schulgebäude in der Mitte teilte. Der einzige schmale Durchgang wurde von zwei (in originale NVA-Uniformen gekleidete) Wachposten gesichert, die nicht mit sich diskutieren ließen und die Schülerinnen und Schüler mit gespielter Strenge zurückgewiesen. "Bin ich hier etwa in der DDR?", fragte sich mancher verwundert, doch spätestens nachdem ihm allerorts das Konterfei des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker entgegenstrahlte, wurde ihm bewusst, dass er mit seiner Vermutung richtig lag. Als Störfaktor wurde die Mauer von vielen empfunden, die im anderen Flügel des Schulhauses Unterricht hatten, da half der Hinweis der diensthabenden Wachsoldaten auf eine Fluchtmöglichkeit "über Ungarn", nämlich über den Schulhof. Doch auch innerhalb der oberen Stockwerke waren die gewohnten Wege versperrt. Sämtliche Verbindungsgänge zwischen den beiden Schulhausflügeln waren durch meterhohe "Mauern" unterbrochen und endeten in Sackgassen, die mit den jeweiligen Hinweisen auf "Zonengrenze" und "Sperrgebiet" verdeutlicht wurden. Vor dem Sekretariat fanden Schüler und Lehrer einen Stapel mit Ausreiseanträgen, die manche auch gleich sorgfältig ausfüllten und vorzeigten.
Nach zwei Stunden Unterricht, in denen sich Lehrkräfte aller Fachrichtungen mit Fragen von Schülerinnen und Schülern über die DDR und die deutsche Teilung konfrontiert sahen, ging die Aktion in der Pause weiter. Begleitet von der DDR-Hymne füllte sich das Foyer schnell bis auf den letzten Platz, Schülermassen drängten sich an der "Mauer" und machten bewusst, was es heißt, an einer Massendemonstration teilzunehmen. Schließlich verschaffte sich ein NVA-Offizier Gehör, der zur Beschwichtigung der Volksmassen von erhobener Position die neuesten Reiseregelungen verlautbarte. "Wir sind das Volk!" und "Die Mauer muss weg!" skandierte eine Gruppe von Schülern und drängte nun ohne nennenswerten Widerstand durch den Grenzübergang, was von einem Jubel aller Anwesenden quittiert wurde. Den Abschluss bildete das gemeinsam gesungene Lied "Freiheit (Freude) schöner Götterfunken". "Eine gelungene Aktion" befanden viele Schülerinnen und Schüler des THG in unterrichtlichen Nachgesprächen verbunden mit der Anfrage: "Können wir das jedes Jahr machen?"
Wenngleich die Mauer noch am selben Tag aus Sicherheitsgründen entfernt werden musste, bieten vier Vitrinen im Foyer die nächsten Wochen noch die Gelegenheit, Orden und Teile von Uniformen (samt Gasmaske), Alltagsgegenstände, Zeitungen, aus der DDR zu betrachten und einen Vergleich zwischen den beiden deutschen Staaten vor der Wiedervereinigung anzustellen.
An Planung und Durchführung der von der Fachschaft Geschichte initiierten Aktion waren beteiligt: Frau Kohn, Frau Neuner mit ihrem 12er GK Deutsch (Aufbau und Pausenaktion), Herr Naumann (Wachposten), Herr Zacher (Wachposten, Vitrinengestaltung), die Bläser-AG unter Leitung von Frau Pfeifer, Mitglieder des Orchesters, die durch Frau Lausberg kurzfristig mobilisiert werden konnten, ferner der 13er LK Geschichte (Aufbau, Themenplakate) und der 12er GK Deutsch (Abbau) unter Leitung von Herrn Mitter.
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